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No Name, No Money

Dieses Problem kennen viele Labels: Endlich läuft meine Musik im Radio oder im TV, doch später auf der Abrechnung der Verwertungsgesellschaft finde ich zu wenige Sendeminuten. Der Grund ist oft genug, dass in den Sendemeldungen der Stationen nicht bei jedem Titel der Labelname und der ISRC-Code angegeben wurden. Gemeinsam mit Intervox Production Music startet der VTMÖ daher die Kampagne #nonamenomoney

Wir empfehlen, bei der Bemusterung von Radio- und TV-Redaktionen auf die Wichtigkeit von Labelnamen und ISRC-Codes hinzuweisen.

Die von den Stationen an die Verwertungsgesellschaften übermittelten Sendelisten sind Grundlage für die Verteilung der Einnahmen an alle Bezugsberechtigten. Nur die Angabe von Labelname und ISRC-Code gewährleistet, dass die RechteinhaberInnen der gesendeten Songs auch wirklich entsprechend bei der Verteilung berücksichtigt werden. Dies wird noch wichtiger werden, wenn demnächst bei der Label-LSG auf Einzeltitelabrechnung umgestellt werden wird (sehr bald mehr dazu auf dieser Seite).

Bitte unterstütze die Verbreitung unserer Kampagne #nonamenomoney:

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Vielen Dank an unser Mitglied Intervox Production Music für die Idee zu dieser Kampagne!

Transparenz in homöopathischer Dosis

Warum die Novelle zum Verwertungsgesellschaftengesetz für Indie-Labels keine Verbesserungen bringen wird.

Auch das Verwertungsgesellschaftengesetz wird novelliert, weil es an eine ab Mitte 2016 geltende neue EU-Richtlinie angepasst werden muss. Der Entwurf sieht ein bisschen mehr Transparenz vor, doch werden die grundsätzlichen Probleme beim Kräfteverhältnis innerhalb der Verwertungsgesellschaften leider nicht adressiert: Die Großen entscheiden, während die Kleinen darauf vertrauen müssen, dass sie eh nicht unfair behandelt werden.

Die Novelle bringt marginale Veränderungen

Schade um eine weitere vergebene Gelegenheit, denn es ändert sich nicht wirklich etwas:

  • Verteilungsregeln und Mittelverwendung der SKE-Fonds mussten schon bisher allen Berechtigten auf Nachfrage zugänglich gemacht werden. Nun sollen Regelwerk und Jahresberichte auf der Webseite der Aufsichtsbehörde auch für eine breite Öffentlichkeit einsehbar sein.

Das wird nicht viel bringen, denn oft ist das Regelwerk mit seinen konkreten Auswirkungen nur für direkt Betroffene verständlich. Und die Jahresaufstellungen über die Verwendung der Mittel aus den “Fonds für soziale und kulturelle Einrichtungen” (SKE) waren bereits bisher bei manchen Verwertungsgesellschaften nicht aussagekräftig, weil auch große Beträge unter sehr unscheinbaren Überschriften und schön klingenden Bezeichnungen bloß aufgelistet wurden. Mit dem Hinweis auf Datenschutz werden konkrete Namen von EmpfängerInnen und konkrete Projektbechreibungen etwa von der LSG der ProduzentInnen nicht veröffentlicht – der SKE der Austro Mechana macht dies aber sehr wohl. Gelten hier etwa verschiedene Datenschutzgesetze?

Transparenz + Demokratie = Verteilungsgerechtigkeit

Das Grundproblem bleibt bestehen: Während laut zeitgemäßem Demokratieverständnis seit mindestens 100 Jahren das Prinzip “1 Kopf = 1 Stimme” gilt, gibt es in vielen Verwertungsgesellschaften nach wie vor ein Zensus-Wahlrecht: Das Stimmgewicht wird durch die Höhe der jährlichen Ansprüche bestimmt. So können in der LSG der ProduzentInnen die drei internationalen Konzerne problemlos mit Stimmenmehrheit entscheiden.

LSG: 3 Konzerne überstimmen 3.000 Indie-Labels

Egal ob es darum geht, wer in der LSG der ProduzentInnen im Kontrollbeirat sitzt, wie die Verteilungsregeln gestaltet werden oder welche sozialen und kulturellen Projekte/Einrichtungen gefördert werden: Drei internationale Konzerne haben die Stimmenmehrheit über dreitausend Indie-Labels und entscheiden.

Der VTMÖ wird seine Bedenken gegen diese eklatanten Defizite an demokratischen Standards so wie bereits im Rahmen der entsprechenden EU-Richtlinie auch im Begutachtungsverfahren zur aktuellen Gesetzesnovelle in Österreich erneut einbringen. Es ist unerträglich, dass wir weiterhin bloß darauf vertrauen dürfen, dass in der LSG eh verantwortungsvoll und fair entschieden wird. Wir Indies stellen die Mehrheit dar und fordern demokratische Entscheidungsprozesse. Berücksichtigung und Schutz der Interessen von Minderheiten wäre für uns selbstverständlich.